Mit der St. Elisabeth-Kirche fängt alles an:

 50 Jahre Adler Ellinghorst

In Ellinghorst, dort wo der älteste Siedlungsplatz auf Gladbecker Stadtgebiet nachgewiesenen ist, nicht weit entfernt von einem bronzezeitlichen Grab-Urnen-Feld und nahe gelegen zu Einrichtungen und Gebäuden des Wetter-/Luftschachts der ehemaligen Zechen Möller und Rheinbaben, die 1967 geschlossen wurden, gesäumt von Hecken und mächtigen Platanen, fügt sich die St. Elisabeth-Kirche eher unauffällig in die von Gartenanlagen durchgrünten Wohnsiedlungen ein.

 Die Bemühungen, eine katholische Kirche in Gladbeck-Ellinghorst zu errichten, gehen lange zurück. 1956 kann das Grundstück an der Maria-Theresien-Straße von der Hibernia AG dafür günstig erworben werden. Mitte August stimmt das damals zuständige Bistum Münster den Planungen zu. Der Baubeginn allerdings verzögert sich, nicht zuletzt wegen der Gründung des Bistums Essen am 1. Januar 1958. Am 20. Februar 1959 schließlich, während einer spontanen Bereisung, gibt der erste Ruhrbischof, Dr. Franz Hengsbach, seine Zustimmung zum Kirchenneubau. Bereits am Vorabend des Namensfestes der Hl. Elisabeth, am 18. November 1959, erfolgt die Grundsteinlegung. Es entsteht ein von Architekt Prof. Spengler trutzig-massiv entworfenes und vom Gladbecker Bauunternehmer Karl Kremer errichtetes Kirchengebäude mit vorgelagertem Atrium. Später wird es um den Kindergarten, das Pfarrhaus mit Pfarrbücherei sowie um das Jugendheim und Pfarrheim erweitert. Äußerlich kommt das Kirchengebäude einer münsterländischen Dorfkirche nahe. Künstlerisch gestaltet und ausgestattet wird die St. Elisabeth-Kirche vom Bildhauer Gottfried Kappen zusammen mit den Söhnen Anno und Stefan. Der eher dunkle Innenraum und das hölzerne Tunnelgewölbe über dem Kirchenraum erinnern an den untertägigen Bergbau, der maßgeblich die Siedlungsentwicklung auch im sonst eher ländlich strukturierten Ellinghorst geprägt hat.

Vikar Paul Heitvogt und DJK-Adler-Ellinghorst

Das Jahr 1961 ist für Ellinghorst ereignisreich: Am 7. Januar 1961 weiht Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach die St. Elisabeth-Kirche. Wenige Tage zuvor, am 2. Januar 1961, hatte er Vikar Paul Heitvogt, zum “Vicarius expositus” an der Kirche St. Elisabeth in Gladbeck-Ellinghorst ernannt. Bis dahin war er Vikar in der Gemeinde St. Lamberti. Später, am 08.03.1963, wird Paul Heitvogt der erste Rektoratspfarrer von St. Elisabeth.

Vikar Heitvogt ist es auch, der den Anstoß gibt, zur Unterstützung der Jugendarbeit in Ellinghorst einen Fußballverein zu gründen. In seiner Wohnung, Pestalozzidorf 23, wird am 4. Mai 1961 zusammen mit einigen Mitgliedern der jungen Pfarrgemeinde die Vereinsgründung beschlossen, damals als DJK-Adler-Ellinghorst mit den Vereinsfarben blau-weiß. Vorstand und Vereinsmitglieder des Fußballvereins sind eng mit der Pfarrgemeinde St. Elisabeth verbunden.

Im ehemaligen Luftschutzgebäude der Hibernia AG können von der Pfarrgemeinde als vorläufiges Jugendheim drei Räume angemietet werden. In Eigenhilfe instandgesetzt, stehen sie vom 15. August 1961 an für die Jugendarbeit bereit.

 Die ersten Möbel stiftet die Gaststätte “Zornige Ameise”, die wegen Renovierung ihre alte Einrichtung ausrangiert. Das Pfarrheim an der Kirche wird erst Jahre später, am 17. November 1974, eingeweiht.

 

Erinnern Sie sich noch?

Eine handgeschriebene Chronik über die Pfarrgemeinde St. Elisabeth von 1959 bis 1993 belegt: Mit der intensiven Jugendarbeit, die auch die Gründung und Betreuung des Fußballvereins umfasst, entwickelt sich in der jungen Pfarrgemeinde zugleich ein reges Gemeindeleben mit Bräuchen und Traditionen. Hierzu zählen besonders das Fest der Kirchweihe, das Patronatsfest sowie Pfarrfeste und Basare, an denen sich besonders auch der Kindergarten St. Elisabeth beteiligt. 1961 nimmt die neu gegründete Pfarrgemeinde noch an der Fronleichnamsprozession in Rentfort teil.

Im darauf folgenden Jahr findet dann eine eigene Prozession in Ellinghorst statt. Besondere Tradition hat das Leichengebet. Wenn ein Gemeindemitglied verstorben ist, lädt ein Nachbar Angehörige und Nachbarn ein zur allabendlichen Gebetsstunde in der Kirche.

  Am Begräbnistag zieht, nach dem Seelenamt, eine Prozession von der Kirche zum Friedhof. Auf dem Weg dorthin wird der Rosenkranz gebetet. Das Ostersingen der Messdiener weckt die Gemeinde in den frühen Morgenstunden des ersten Ostertages mit dem Osterruf “Christ ist erstanden”. Später gehen die Messdiener dann von Haus zu Haus und wünschen ein “gesegnetes Osterfest”.

Für ihre treuen Dienste das ganze Jahr hindurch wird ihnen mit Eiern, Schokolade oder auch Geld gedankt. Die Stadtranderholung für 7 bis 9 jährige Kinder findet anfangs jedes Jahr in Feldhausen statt. Alljährlich werden auch Ferienfreizeiten für Mädchen und Jungen von 9 bis 14 Jahren durchgeführt, erstmalig 1961 in Mittersill bei Zell am See, Österreich.

 Es folgen Freizeiten für Mädchen: In der Jugendherberge in Hinsbeck bei Krefeld (1962), in Freiburg im Breisgau (1963), im Haus Carolina Zech in Ragall bei Bludenz, Österreich (1964); für Jungen: In Herborn im Sauerland (1962), Ameland in Holland (1963), Haus Josef Zisterer in Radfeld bei Rattenberg (1964).

Manche mögen sich noch an weitere Traditionen oder Bräuche in der Pfarrgemeinde St. Elisabeth erinnern; der eine oder andere hat vielleicht auch noch Bilder aus dieser Zeit - darum: Hinweise und Ergänzungen (möglichst mit aussagefähigen Bildern) sind höchst willkommen.

Kirche soll Wohnbebauung weichen

Mit den Worten “BAUT NICHT DER HERR DAS HAUS, MÜHN SICH UMSONST, DIE DARIN BAUEN” endet die Urkunde im Grundstein der St. Elisabeth-Kirche. Ein Menetekel? Nach Fusion der Pfarrgemeinde St. Elisabeth mit der Pfarrgemeinde St. Lamberti (2001/2002) wird St. Elisabeth zunächst als Filialkirche der Propsteigemeinde St. Lamberti geführt, später dann zur sogenannten “weiteren Kirche” (2006) abgestuft. Am 20. November 2010 wird unter großer Anteilnahme der Gläubigen in Gladbeck der letzte Gottesdienst in der Kirche St. Elisabeth in Gladbeck-Ellinghorst gefeiert. Seitdem ist die Kirche geschlossen. Die weiteren Planungen sehen vor, dass sie abgerissen und das Grundstück für weitere Wohnbebauung veräußert werden soll. Orgel und Kirchenbänke sind bereits nach Polen verkauft. Der Kreuzweg aus dem Atrium ist entfernt. Sakrale Kunstwerke und Gegenstände sollen künftig in anderen Kirchen in Gladbeck oder anderswo verwendet werden.

 

In letzter Minute haben sich der Arbeitskreis Stadtbildpflege zusammen mit dem Verband Wohnen - Kreisverband Gladbeck sowie den Siedlungsgemeinschaften Ellinghorst (Haarbachsiedlung) und Durchholz (Pestalozzidorf) wie auch den Vorsitzenden vom Sport- und Förderverein Adler-Ellinghorst vehement noch für den Erhalt der Kirche und für einen Förderverein eingesetzt und ein mit den religiösen Zwecken der Kirche verträgliches Nutzungskonzept vorgelegt. Die für die Kirche Verantwortlichen haben dazu jedoch ihre Zustimmung versagt. Sie halten an den einmal gefassten Beschlüssen fest.

 

Adler Ellinghorst im Aufwind

Von den Gladbecker Stadtbezirken ist Ellinghorst der flächengrößte und zugleich der geringst besiedelte Stadtteil. Dem Bericht zur demographischen Entwicklung in Gladbeck folgend, den die Stadtverwaltung 2004 bereits vorgelegt hat, weist Ellinghorst mit den höchsten Anteil älterer und alter Menschen auf; Tendenz steigend. Hier wohnen sie jedoch nicht überwiegend in Altenzentren oder anderen Einrichtungen der Altenpflege, wie in anderen Stadtbezirken in Gladbeck, sondern leben weiterhin in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung. Für sie erfüllte die Pfarrgemeinde St. Elisabeth vormals auch wichtige soziale Funktionen. Zwischenzeitlich wurden in Ellinghorst neue Wohnsiedlungsgebiete geschaffen, in denen besonders auch junge Familien mit Kindern gefördert werden. Ohne wohnungsnahe Angebote, z.B. für die Freizeitgestaltung, fehlen jedoch insbesondere für Kinder und Jugendliche wichtige und übergreifende Anreize für die Entwicklung von Zusammenhalt und Gemeinsinn. Nachdem die St. Elisabeth-Kirche geschlossen wurde, brechen nun nach und nach die in fast fünfzig Jahren entwickelten gesellschaftlichen Strukturen der Ellinghorster Kirchengemeinde weg.

 

Vereinen, wie z.B. dem Sportverein Adler Ellinghorst, erwachsen hieraus - über die rein sportlichen Zwecke und die Jugendarbeit hinaus - künftig zunehmend wichtigere gesellschaftliche Betätigungsfelder.

Sport ist eben nicht nur “die schönste Nebensache der Welt”.

Weiter so, Adler Ellinghorst, mit viel Erfolg!

 Gregor Collet

 

Quelle: Chronik der Pfarrgemeinde St. Elisabeth 1959 bis 1993

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